Ruinenstadt Ani (Türkei)

Ruinenstadt Ani an der Grenze zu Armenien, Türkei 2026

Ani ist eine seit mehr als drei Jahrhunderten verlassene und heute in Ruinen liegende ehemalige armenische Hauptstadt auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Die Stadt liegt im türkisch-armenischen Grenzgebiet auf einem Plateau (1338 m), umgeben von einer tiefen Schlucht und dem Fluss Achurjan, der heute die Grenze zwischen der Türkei und Armenien bildet. Ani ist seit dem 5. Jahrhundert als armenische Festung nachweisbar. 763 kam es in den Besitz der Bagratiden, im 10. Jahrhundert entwickelte es sich zu einer bedeutenden Stadt. König Aschot III. Bagratuni (951–977) machte Ani im Jahre 961 zur Hauptstadt seines armenischen Königreiches. Als König Gagik II. 1045 sein Reich den Byzantinern übergab, war das an der nördlichen Seidenstraße gelegene Ani weithin als „Stadt der 1001 Kirchen“ bekannt und zählte mehr als 100.000 Einwohner. Am 16. August 1064 wurde Ani nach einer 25-tägigen Belagerung von den türkischen Seldschuken erobert, wodurch es unter islamische Herrschaft geriet. Im Zuge der Eroberung kam ein Großteil der Bevölkerung ums Leben. Sultan Alp-Arslan überließ die Stadt 1072 den Schaddadiden, einer kurdischen Vasallendynastie, die sich hier hielt, bis Ani am Ende des 12. Jahrhunderts an das christliche Königreich Georgien fiel. Zwischen 1125 und 1209 gelang es diesen insgesamt fünfmal, die Stadt zu besetzen. Die Georgier setzten in Ani die armenischen Zakariden als Vasallen ein, unter denen die Stadt eine letzte kurze Blütezeit erlebte. Eine Belagerung durch die Mongolen konnte 1226 zurückgeschlagen werden. 1239 fiel Ani jedoch in mongolische Hände und große Teile der Bevölkerung wurden getötet. Im Jahre 1319 wurde das Schicksal der Stadt von einem Erdbeben besiegelt, woraufhin die Bevölkerungszahl ab dem 14. Jahrhundert – Ani gehörte nun zu den Reichen der Aq Qoyunlu und Qara Qoyunlu – langsam aber stetig sank. Die Stadt wurde 1380 von Timur erobert. Ein Erdbeben 1605 reduzierte Anis verbliebene Bedeutung für armenische Pilger und Mönche weiter. Ab dem 18. Jahrhundert bestand nur noch ein bescheidenes Dorf.

Nach 1534 war Ani Teil des Osmanischen Reiches. Als Ergebnis des Osmanisch-Russischen Krieges (1877–78) gehörte das Gebiet bis 1917 zum Russischen Reich, unbehindert durch eine Staatsgrenze zum gleichfalls russischen Armenien. Mit der Kapitulation des Osmanischen Reichs im Oktober 1918 fiel Ani zunächst unter die Kontrolle des neu gegründeten Staats Armenien. Nach dem Türkisch-Armenischen Krieg von 1920 gelangte Ani an die Türkei.

Heute ist Ani eine Geisterstadt und vor allem für die noch erhaltenen Zeugnisse armenischer Architektur bekannt. Die einzigen „Bewohner“ sind türkische Grenzsoldaten, Touristen und Anwohner des benachbarten türkischen Dorfes Ocaklı. Bedroht von „Restaurierungsarbeiten“, Kulturvandalismus, Erdbeben und in jüngerer Vergangenheit auch durch Bodenerschütterungen (ausgelöst durch Sprengungen in einem Steinbruch auf armenischem Gebiet), steht die Zukunft dieses Kulturdenkmals in Frage. Mehr oder weniger erhalten sind Teile der doppelt ausgelegten Stadtmauer, die Kathedrale (vollendet im Jahre 1001 oder 1010), einige Kirchen und Kapellen, die Zitadelle und ein Palast, der Ende des 20. Jahrhunderts einem „Wiederaufbau“ zum Opfer fiel. Der armenische Ursprung und die armenische Vergangenheit der Stadt werden von offizieller türkischer Stelle jedoch verschwiegen; auf einer Hinweistafel ist nur vom „christlichen Erbe innerhalb des Osmanischen Reichs“ die Rede. In der Vergangenheit war der Zugang zur Stadt teilweise nur mit Genehmigung möglich, da das Areal lange Zeit militärisches Sperrgebiet war. Es galt wegen der Lage direkt an der Grenze zu Armenien teilweise Fotografierverbot, und einige Teile des Areales waren für Zivilpersonen nicht zugänglich. 2016 wurde die Stadt zum Weltkulturerbe erklärt.
[Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ani_(historische_Stadt), August 2026]

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